Kartoffeln

Solanum tuberosum

 

Vor einigen Jahren gab meine Mutter ihren großen Gemüsegarten auf, da ihr die Arbeit schon zu beschwerlich wurde. Und da mein Göttergatte mindestens ein so großer Gartennarr ist wie ich und von uns beiden der experimentierfreudigere, hat er beschlossen, doch den Anbau von Kartoffeln zu versuchen. Gesagt, getan, kauften wir Saatgut, er machte mit dem Spaten etwa alle dreißig Zentimeter in der Reihe ein Loch und ich warf je eine Kartoffel hinein. Danach häufelte er die Reihen mit der Spitzhaue an. Dann hieß es einige Wochen warten, und schon zeigten sie die ersten Triebe. Seither haben wir von einer Fläche von 10 x 10 Metern so viele Kartoffeln, dass ich nur im Frühjahr vor der neuen Ernte einige Kilos kaufen muss.

 

Verwendung:

SPEISEN

Kartoffeln sind so ziemlich das  vielseitigste Gartenprodukt. Es wird sowohl für Suppen, Hauptspeisen und Beilagen verwendet, als für  süße Gerichte und Mehlspeisen.

Als sättigende Beilage sind sie besonders vielseitig: Man kann sie einfach gekocht essen, als Salzkartoffeln, Bratkartoffeln, Kartoffelpuffer, Kroketten, Püree, Pommes frites, Knödel, Kartoffelsalat, Schmarren, um nur einige zu nennen.

Man muss die Kartoffeln nicht unbedingt schälen. Junge Exemplare kann man gut gereinigt und gekocht mit der Schale essen, denn darunter befinden sich angeblich die meisten Vitamine.

Im Winter schmecken im Rohr gebratene Kartoffelscheiben gut, wenn man vom Spaziergang in der Kälte zurückkommt.

Die eigenen Kartoffeln sind natürlich nicht wie die im Supermarkt in einer einheitlichen Größe sortiert, es fallen auch sehr große und sehr kleine an. Die kleinen verwende ich gerne für Kartoffelnsalat. Gekocht lassen sie sich leicht schälen und der Salat sieht mit den kleinen Scheiben schön aus.

In Folie gewickelt, bäckt man sie im Rohr und reicht sie zu Kräuteraufstrichen oder als Beilage.

Aus ein paar übrig gebliebenen Kartoffeln lässt sich schnell ein Aufstrich zaubern – Rezept siehe unten.

Beim Grillfest im Garten kann man einige Kartoffeln in Folie verpackt auf den Rost legen und mitgrillen.

Auch Süßes kann man damit herstellen, so etwa Kuchen und Torten

und mit einem Kartoffelteig Mohnnudeln, Schupfnudeln mit Kompott und  Powidltascherl.

Mit geriebenen Kartoffeln kann man andere Gerichte andicken, wie Suppen, Eintöpfe oder Sauerkraut. 

 

GETRÄNKE

Kartoffelsaft kann man mit dem Entsafter leicht selbst herstellen. Wenn Sie keinen besitzen, können Sie die Kartoffeln auch reiben und in einem Tuch ausdrücken. 

 

HALTBAR MACHEN

Die Kartoffeln sind ein gutes Lagergemüse. Sie sind nicht druckempfindlich und können einfach in einen Erdkeller oder in Kisten etc. geschüttet werden. Sie müssen kühl und dunkel aufbewahrt werden, damit sie nicht frühzeitig antreiben und dadurch schrumpelig werden. 

 

KOSMETIK

Waschen mit warmem Kartoffelwasser (vom Kochen) reinigt die Haut.

Für eine schöne Haut legt man eine Gesichtsmaske aus gekochten, zerdrückten mehligen Kartoffeln, etwas Olivenöl, Zitronensaft und Topfen auf. 

 

GESUNDHEIT

Der Saft der rohen Kartoffel enthält Schleimstoffe und wirkt gut auf die Magenschleimhaut bei Entzündungen derselben.

Äußerlich hilft der Saft bei Entzündungen und Verbrennungen.

Ein Umschlag mit warmen Kartoffeln ist ein bekanntes Hausmittel gegen allerlei Rückenbeschwerden wie Verspannungen oder Hexenschuss sowie gegen Halsschmerzen. 

 

TIERE

Wenn ich Kartoffeln  koche, nehme ich einige mehr und gebe sie den Hühnern, die sich gleich darauf stürzen. 

 

SCHÄDLINGSBEKÄMPGUNG

Die  Asseln sind im Garten nicht schädlich, aber im Keller hat man sie nicht gerne. Bei Befall schneidet man einige Kartoffeln auseinander und legt sie mit der geschnittenen Seite nach unten an befallenen Stellen auf. Die Asseln suchen die Feuchtigkeit und sammeln sich dort und man kann sie hinausbringen. 

 

SONSTIGES

Die Stauden sind ein guter Bodendecker, es kommt kaum Unkraut auf. 

 

Vermehrung:

Saatgut bekommt man in Gartencentern oder im Lagerhaus. Es ist aber nicht notwendig, jedes Jahr neues zu kaufen. Zu Beginn unserer Kartoffelbau-Karriere haben wir fünf Kilo rote Speisekartoffeln im Supermarkt gekauft und diese neben einer Saatgutsorte angebaut und beide waren gleich ertragreich. Mittlerweile bauen wir die roten Kartoffeln schon seit drei Jahren nach. Allerdings kommt es, wenn man verschiedene Sorten hat, zu einer gewissen Verkreuzung und es finden sich – oh Wunder – unter den normalen Kartoffeln einige rote.

Auch Kipfler kaufen wir im Supermarkt und bauen sie an, dafür benötigt man aber einen eher sandigen, lockeren Boden.

Blaue Kartoffeln hatten wir auch schon, aber obwohl sie so wie alle Kartoffeln schmecken, ist ihr Anblick doch gewöhnungsbedürftig.

Man kann größere Kartoffeln, wenn sie mehrere Augen (=Triebstellen) haben, auch auseinanderschneiden, um das Saatgut zu vermehren.

 

Pflegeaufwand:

Wenn die Kartoffeln eine Höhe von zehn Zentimetern haben, sollte man sie nochmals anhäufeln, damit sie mehr Wurzeln (sprich Kartoffeln) bilden können, eventuell kann man jäten, wenn viel Unkraut durchkommt.

 Mit dem Kartoffelkäfer hatten wir bis jetzt noch kein Problem, da in der näheren Umgebung keine Kartoffelfelder sind. Aber auf einer kleinen Fläche könnte man sie ohne weiteres abklauben.

Gegossen werden die Kartoffeln bei uns nicht – sie können sich ja Feuchtigkeit aus dem Boden holen.

 

Überwinterung:

Die Knollen müssen frostfrei gelagert werden, da sie sonst stark an Qualität verlieren und nicht mehr genießbar sind.

 

Vorteile:

Ein großes Beet ist mit wenig Aufwand den ganzen Sommer bis in der Herbst hinein bedeckt und muss nicht oft bearbeitet werden.

Sie sind gut zu lagern – dunkel und kühl.

Die Kartoffel ist die Frucht, die man als Kleingärtner in Notzeiten selbst anbauen kann (denken Sie an die vorhergesagte Krise!), denn Getreide kann man im eigenen Garten nicht anbauen, ernten und dreschen. Aber die Kartoffeln kann man über den Winter lagern und hat ein sättigendes Nahrungsmittel vorrätig.

 

Rezepte:

Kartoffelsuppe
Wenn man bei uns sagt, man mache eine Kartoffelsuppe, ist fast immer eine gebundene Suppe mit allerlei Gemüse der Saison gemeint. Dafür gibt es in vielen Familien eigene Rezepte. Meine Mutter kochte das geschnittene Gemüse mit den Kräutern und Gewürzen (Majoran, Kümmel, Pfeffer, Salz, Thymian, Liebstöckel, ev. Suppenwürfel) weich und band die Suppe mit einer Einbrenn. Bei meiner Schwiegermutter wird diese Suppe folgendermaßen zubereitet: Sie zerstampft einen Teil des weichen Gemüses und gibt neben der Einbrenn noch einen Schuss Essig hinein. Man kann auch zu Beginn Zwiebeln anrösten und gleich stauben.

 

Kartoffelaufstrich
Wenn ich gekochte Kartoffeln brauche, koche ich gleich einige mehr für einen Aufstrich: Die gekochten Kartoffeln werden passiert und kalt gestellt. In der Zwischenzeit rührt man etwas Butter schaumig, gibt die  Kartoffeln, etwas Rahm, Salz, Pfeffer, gehackte Zwiebeln, Knoblauch, eventuell Paprika und Kräuter nach Vorhandensein und Geschmack dazu.

 

Kartoffeln mit Butter und Salz
Ein bekömmlicher Snack sind Kartoffeln mit Butter und Salz. Dazu werden die Kartoffeln, am besten fest kochende, mit der Schale gekocht, geschält, noch heiß in etwa 1 cm dicke Spalten geschnitten, mit Butter bestrichen, gesalzen und gegessen. Ob es sich dabei um ein leichtes Essen handelt, hängt von der Menge der Butter ab, die Sie dabei konsumieren.

 

Kartoffelstempel
Als Kinder waren die Kartoffeln für uns sogar Spielzeug: Wir bastelten Stempel daraus. Dazu wurden die Kartoffeln in der Mitte auseinander geschnitten und in jede Hälfte ein Motiv geschnitzt.  Als Farbe  nahmen wir Wasserfarben, mit denen wir die erhabenen Teile satt bestrichen. Nun konnten wir auf Papier Muster zeichnen oder Buchstaben drucken.