Weniger gießen!

                       

Ein Grundprinzip der Permakultur ist es, die Pflanzen so einzusetzen, dass sie sich selbst versorgen und möglichst wenig Arbeit machen – das kommt mir gerade recht, denn unnötige Arbeit mag ich gar nicht. Ich gieße daher nur Gewächse, die sich aus irgendeinem Grund nicht selbst versorgen können wie etwa Kübelpflanzen, aber auch da habe ich so meine Tricks (siehe vorhergehendes Kapitel und weiter unten). Saaten gieße ich mehr oder wenige, bis sie aufgehen, aber auch nicht immer, und alles, was ich ein- oder umsetze, bekommt nur eine einmalige, ordentliche Wassergabe. 

Pflanzen, die in den Boden gesetzt sind, holen sich Wasser und Nährstoffe aus dem Boden. Wenn man die Pflanzen nun verwöhnt und von Anfang an ständig gießt, haben sie gar keine Veranlassung, das Wasser tief aus dem Boden zu holen. Wenn dann einmal nicht gegossen wird, machen sie bald schlapp. Es muss schon ziemlich trocken sein, dass ich mich einmal herablasse und im Gemüsegarten oder im Staudenbeet die Beregnung aufstelle. Da unser Garten wie gesagt sehr groß ist, hätte ich gar nicht die Zeit und von den Wasseranschlüssen  her die Möglichkeit, überall zu gießen. Daher stehen nur in Hausnähe Kübelpflanzen, die ich gießen muss und auch der Gemüsegarten ist mit dem Schlauch zu erreichen. Die Obstbäume, Sommerblumen, Kartoffeln, Himbeeren, Erdbeeren und die Wildsträucherstehen weiter weg vom Haus und werden nie gegossen. 

Viele Leute glauben, sie müssten unbedingt und ständig alles besprengen. Ich denke da an eine alte Frau, die im Sommer mühsam in den Garten ging und dann zwei Stunden lang stand - in einer Hand den Gehstock und in der anderen den Schlauch -, um das Gemüse und ein großes Beet mit Astern zu gießen - und das jeden Tag. 

Viele Hobbygärtner glauben, sie müssten Rosen bei Trockenheit gießen, dabei haben gerade Rosen tiefreichende Wurzeln, um sich Wasser aus großen Tiefen zu holen. Ich gieße meine circa 20 verschiedenen Rosenstöcke (von Zwergrosen bis Kletterrosen) NIE und sie blühen Sommer für Sommer reichlich. 

Als Regel kann man sich merken: Pflanzen mit großen Blättern verdunsten naturgemäß mehr Wasser als solche mit kleinen Blättern, weiche Blätter sind empfindlicher gegen Trockenheit als harte. Pflanzen mit silbrigen Blättern verdunsten wenig Wasser, sind also gut für sonnige, steinige Lagen geeignet. 

Engelstrompeten mit ihren großen Blättern gehören daher nicht in die pralle Sonne, sondern in den Halbschatten. Seitdem  ich das berücksichtige, muss ich sie  weniger oft gießen. Eine große Pflanze wird jedes Jahr in ein ostseitig gelegenes Beet eingesetzt, wo sie sich prächtig entwickelt und viele Blüten ansetzt. Gegossen wird sie nur sehr sporadisch: 

Vor dem Haus haben wir einen Holztrog, der vom örtlichen Verschönerungsverein vor vielen Jahren zur Verfügung gestellt wurde. Darin waren immer Sommerblumen wie Pelargonien, Margeriten und ähnliches. Ich musste also bei schönem Wetter jeden Tag mit der vollen, großen Gießkanne vors Haus gehen um den Trog zu bewässern. Jetzt habe ich die Bepflanzung des Troges vollkommen umgestellt, und zwar auf trockenheitsverträgliche und teilweise ausdauernde Pflanzen, wie Sedumarten, einen Buchs, Nelken, einen Lavendelstock, Efeu und dazwischen setze ich einige Sommerblumen wie Tagetes oder andere robuste Sorten.  Dazwischen liegen einige schöne Steine und ein vom Wasser abgeschliffenes Holzstück, das wir bei einem Spaziergang entlang des Überschwemmungsgebietes der Donau gefunden haben. Der Trog wird nur ab und zu gegossen – und das nur von meinem Mann, wenn er meint, er müsse sich der Blumen erbarmen. 

Alle Kübelpflanzen haben bei mir einen Untersetzer. Wenn ich abends gieße (morgens habe ich keine Zeit, aber meine Pflanzen nehmen mir das nicht übel), gieße ich solange auf die Erde, bis auch der Untersetzer voll ist, dann muss ich nicht jeden Tag gießen.

Es gibt viele Topfpflanzen, die ohnehin wenig Wasser benötigen, wie die Kakteen und Sukkulenten oder Citrusgewächse. Pflanzen wie Oleander, Johannisbrotbaum oder Olive, die harte Blätter haben, vertragen auch einmal Trockenheit. Denken Sie nur an Oleanderbüsche, die in südlichen Ländern am Wegesrand in der trockenen Erde stehen und nie gegossen werden und herrlicher blühen als unsere ständig umhegten. Wenn Sie neue Pflanzen kaufen wollen, erkundigen Sie sich auch nach dem Wasserbedarf, oft gibt es dazu auch Angaben auf dem Schild an der Pflanze.

Auch der Rasen ist so ein Fall fürs vermehrte Gießen. Leute, die eine automatische Gießanlage haben, glauben, sie müssen den Rasen täglich bewässern, damit er schön wächst, aber das zeitigt den selben Effekt, den ich ganz am Anfang des Kapitels beschrieben habe: Die Wurzeln gehen nicht in die Tiefe. Da wir „nur“ ein kleines Stück halbwegs schönen Rasen haben und der Rest Kräuterrasen und Wiese ist, brauche ich da nicht viel zu gießen. Nur der Rasen bekommt Wasser, wenn er schon bedenklich dürr aussieht.

An einigen Stellen im Garten wuchs der Rasen gar nicht gut - zum Beispiel unter dem Dachvorsprung. Da wir keine Lust hatten, dort extra zu gießen, damit das Gras wächst, haben wir diese Streifen einfach eliminiert. Hinter dem Haus haben wir Waschbetonplatten gelegt, auf denen die Kübelpflanzen stehen. Auf einer Seite ist der Gehweg zum Haus meiner Mutter und auf der Südseite zum Nachbarn haben wir Pflanzen eingesetzt, die wenig Wasser brauchen und das ganze Jahr über keine Arbeit machen: