Warum selbst säen und ernten?

 

Es gibt viele Gründe, warum wir gerade heute wieder Wert darauf legen sollten, uns zumindest teilweise selbst versorgen zu können:

Erst vor einigen Monaten gab es eine größere „Panne“:  Der Luftraum über Europa war wegen des Vulkanausbruchs auf Island fast nur Gänze gesperrt. Nahrungsmittel, die aus exotischen Ländern zu uns kamen, wurden langsam knapp. Nicht dass wir Litschis, Ananas und Co. unbedingt benötigen. Aber diese Situation führte uns vor Augen, wie fragil unser Wirtschaftssystem in Wirklichkeit ist. Vulkanausbrüche, Erdbeben, Hochwasser, Stürme, Anschläge, Kriege – alles ist möglich und kann die Beschaffung von Lebensmitteln erschweren oder zum Erliegen bringen. Wenn man dann im Garten, in der Speisekammer, im Erdlager oder in der Kühltruhe Vorräte hat, ist man wesentlich besser dran.

Gemüse und Obst aus dem eigenen Garten ist weniger bis gar nicht mit Herbiziden, Insektiziden oder Fungiziden belastet (je nach Ihrer Gartenphilosophie). Die Früchte müssen auch nicht extra behandelt werden, um einen langen Transportweg zu überstehen. Sie sind bei etwaigen Lebensmittelskandalen unabhängiger, da sie auf eigene Produke zurückgreifen können.

Sie können jederzeit in den Garten gehen und alles frisch hereinholen. Manche „frischen“ Lebensmittel im Supermarkt haben ein ganz schön lange Wegstrecke hinter sich, etwa Äpfel aus Argentinien, Erdbeeren aus Spanien oder Kiwis aus Neuseeland, nicht zu vergessen den Knoblauch aus China! Viele Waren werden halbreif geerntet, damit sie bei uns gerade reif ankommen. Den Geschmack kann man sich dann vorstellen, denn nur am Baum erhält die Frucht ihre Süße und nicht in einem Kühlwagen. Die Erdbeeren sehen im Winter auch wirklich lecker aus, aber roh verzehrt schmecken sie nach gar nichts, man kann sie nur als Kuchenbelag oder ähnliches verwenden – was ich aber schon jahrelang nicht gemacht habe. Wie soll ich mich auf die eigenen Erdbeeren freuen, wenn ich sie das ganze Jahr lang esse?

Bei gekauften Lebensmitteln weiß man nicht mehr genau, was eigentlich in der Verpackung drinnen ist. Ist der Schinken noch vom Schwein oder schon aus der Sojabohne, ebenso wie der Käse? Wenn Sie aber einen Teil der benötigten Nahrungsmittel selbst anbauen, wissen Sie zumindest für diesen, was Sie essen.

Alles, was Sie aus Ihrem Garten ernten können, kostet Sie wenig. Vor allem bei mehrjährigen Pflanzen wirkt sich das aus, wie bei Obstbäumen, Gemüsesorten, deren Samen man weiterverwenden kann, wie Bohnen, Dill, Salat etc. und bei Kräutern. Ich kenne Leute, die viel Platz im Garten hätten, aber zu bequem sind, selbst etwas anzubauen und dann jammern, dass die Lebenshaltungskosten so hoch sind!

Und last but not least: Die Gartenarbeit macht einfach unheimlich Spaß. Vom Frühjahr an kann man beobachten, wie sich die ersten Knospen öffnen, wie ein Gewächs nach dem anderen austreibt und die Obstbäume blühen. Man wartet schon darauf, dass man den ersten Schnittlauch dick aufs Butterbrot streuen kann, die ersten Früchte reif werden, endlich die Paradeiser rot werden, man die ersten Zwetschken kostet, die noch sauer sind. Man kontrolliert, ob die Riesenkürbisse eh groß genug werden, schaut, dass man vor dem ersten Frost alles ins Haus und in den Keller bringt, was diesem nicht standhält. Im Winter blättert man Gartenkataloge und –zeitschriften durch, um für die nächste Saison zu planen.