Pflanzen und Medizin

 

Alle Pflanzen, die wir aus dem Garten holen und verwenden, seien es nun Obst, Gemüse, Kräuter oder Blätter für den Tee, haben verschiedene Inhaltsstoffe, die unserem Körper gut tun – angefangen von den Vitaminen, den sekundären Pflanzenstoffen, den Mineralstoffen und Spurenelementen bis zu den Ballaststoffen. Aber auf der anderen Seite haben sie Inhaltsstoffe, die uns weniger zuträglich sind, wie zum Beispiel die Oxalsäure im Rhabarber und im Mangold, die bei zu häufigem Verzehr Nierensteine verursachen kann. Die Histamine in den Tomaten und den Erdbeeren, die nicht jeder verträgt oder die Spuren Blausäure in den Kernen verschiedener Früchte sind weitere Beispiele, dass nicht alles, was aus der Natur kommt, automatisch gesund sein muss. Von den vielen Giftpflanzen, die wir auch im Garten kultivieren, gar nicht zu reden. 

Man muss daher abwägen, wie oft und wie viel man von einer Pflanze isst. Man sollte, um beim  Rhabarber zu bleiben, diesen  bis zum Ende der Saison Mitte Juni nicht ständig essen, nur weil so viele Stängel da sind. (Man kann ihn, wenn man ihn gerne isst, auch für den Winter einfrieren oder mit Erdbeeren zu Kompott für später verarbeiten.) 

Dasselbe gilt für Tees: Es ist zum Beispiel nicht gesund, ständig Pfefferminztee zu trinken. Bei empfindlichen Personen kann er mit der Zeit die Magenschleimhaut angreifen. Außerdem kann er bei Bedarf  seine Heilwirkung nicht mehr entfalten, wenn man ihn ohne Beschwerden dauernd trinkt. Ich selbst vertrage Pfefferminztee, wenn er stärker aufgebrüht ist, nicht gut - mir wird schlecht und ich bekomme Kopfschmerzen davon und mir ist ein Fall bekannt, wo ein älterer Herr aus diesem Grunde sogar ins Spital musste.

Dasselbe gilt für Kamillentee:  Diesen ständig zu trinken, weil er so gesund ist, ist ebenfalls kontraproduktiv, da er eben ein Heiltee ist, der bei Erkrankungen des Magens, der Schleimhäute und vielem mehr wirklich helfen kann, aber nicht für den Dauergebrauch gedacht ist. 

Wie überall ist auch hier der goldene Mittelweg der beste: Von allen Pflanzen mäßig aber regelmäßig genießen und sich eventuell bei Interesse auch über ihre medizinische Wirkung informieren. Wenn man eine Heilpflanze kurmäßig gegen irgendwelche Beschwerden anwenden will, sollte man besser den Arzt fragen, ob er diese Behandlung befürwortet. In meinem Buch verzichte ich großteils darauf, die verschiedenen Inhaltsstoffe der Pflanzen anzuführen, weil die Vielfalt erstens ohnehin verwirren würde und ich außerdem keine Ernährungsexpertin bin. Auf die Heilwirkung gehe ich nur ein, soweit es den Bereich der Hausmittel betrifft. 

Meine Philosophie: Beim Obst und Gemüse isst man ohnehin je nach Saison, was gerade anfällt. Bei den Tees sammle und trockne ich jede Sorte einzeln und mische sie immer nach Lust und Laune, um eine Streuung der Wirkung zu erzielen.