Hasenzucht

Um nicht nur Eier, sondern auch Fleisch selbst zu produzieren, kann man Hasen halten. Etwa gleichzeitig mit der Hühnerzucht kauften wir aus diesem Grund eine trächtige Häsin und zwei männliche Hasen und hatten einen Monat später schon sieben junge. Durch einen „Unfall“ gab es drei Monate später wieder neun Häschen und wir hatten unseren Stand auf siebzehn Stück erhöht – die zwei ersten Hasen hatten wir mittlerweile geschlachtet.

Da mein Mann meiner Mutter und mir nicht glaubte, dass Hasen ihren Behausungen gerne entschlüpfen, mussten wir sie einige Male einfangen, bis unsere mittlerweile fünf Hasenställe ihren Fluchtversuchen standhielten. Einer hat sogar den Boden eines Käfigs durchgebissen, um ins Freie zu kommen. Wenn man einmal vergisst, die obere Abdeckung zu schließen, sind sie auch gleich heraußen. Sogar durch das Erdreich graben sie sich unter dem Stall durch. Doch nach und nach hat mein Mann alle Schlupflöcher gestopft.

 

Morgens vor der Arbeit gebe ich den Hasen etwas Heu oder im Sommer Gras. Die Hauptfütterung ist bei uns am Nachmittag. Da wird jeden zweiten Tag Gras auf Vorrat gemäht, das sie bekommen, ebenso wie etwas Getreide (Mais oder Weizen) und Obst und Gemüse je nach Anfall. Wasser bekommen sie keines, da sie Grünfutter erhalten.

Wie für die Hühner sammle ich auch für die Hasen Küchenabfälle:

  •  Äpfel und die Schalen davon, wenn ich Kompott mache,

  • Schalen von Kohlrabi, Karotten,  ellerie und andere,

  • Salat- und Mangoldblätter, die zum  Kochen nicht schön genug sind und alles andere, was beim Gemüse putzen so anfällt. 

Gleich aus dem Garten hat man vom Frühjahr an Leckerbissen:

  • Das erste Grüne bei uns im Garten sind die Pflanzen des Judassilberlings (Lunaria annua), die als      Grünpflanze überwintern, um im zweiten Jahr zu blühen und die filigranen,      silbrigen Blätter zu entwickeln. Wo ich zu viele stehen habe, reiße ich  welche für die Hasen aus.

  • Genau so zeitig und massenhaft erscheint bei uns in der Au der Bärlauch, den wir ihnen bringen.

  • Ausgestochenen Löwenzahn, den man aus dem Garten ohnehin gerne weg hat, bekommen sie, ebenso wie

  • Vogelmiere, die ich unter dem  Kirschenbaum wachsen lasse,

  • Gurken und Zucchini, die ich in der Küche nicht brauche,

  • Im Herbst habe ich die Dahlien- und  Paprikastöcke ausgerissen und die ganzen Stauden den Hasen versuchsweise      gefüttert und sie haben nur die Stiele übrig gelassen.

  • Die Blätter der Funkien gebe ich      ihnen, wenn sie überhand nehmen. Die Funkien werden in Asien als Nahrungsmittel  anbaut, also können sie auch für die Hasen nicht schädlich sein.

  • Im Herbst findet man auf abgedroschenen  Äckern Maiskolben, die sie gerne abnagen.

  • Von den ersten abgefallenen  Klaräpfeln an bekommen sie immer das Fallobst von Äpfeln und Birnen und im  Winter die runzeligen Äpfel.

  • Die Quitten, von denen wir so  reichlich haben, dass ich nicht alle verarbeiten kann, fressen sie   ebenfalls.

  • Zu meinem Leidwesen hatten wir anfangs ein Problem mit den Riesenkürbissen, von denen wir einige  hatten – die wollten sie gar nicht. Doch      als wir ihnen einige Tage keine Rohkost zukommen ließen, waren ihnen auch      die Kürbisse recht.

  • Rote  Rüben und deren Blätter fressen sie ebenso gerne wie Karotten. Was sie nicht mögen, sind Pastinaken und deren Blätter.

  • Das war nur eine kleine Auswahl an speziellen Pflanzen – sie fressen aber fast alles Grüne, das man ihnen gibt.

  • Das Gras mähen wir in unserem Garten oder auf der Wiese vor dem Haus.

  • Im Obstgarten haben wir eine Wiese,  die wir zwei Mal im Jahr für Heu mähen.

  • Heuer haben wir ein Beet mit  Futterrüben angebaut, damit wir besser über den Winter kommen. 

Das hört sich alles mühsam an, ist es aber nicht, wenn man sich einmal daran gewöhnt hat. Allerdings muss sicher gestellt sein, dass die Tiere immer ihr Futter bekommen. Wenn Sie also oft und gerne auf Urlaub fahren, brauchen Sie Kinder, Eltern, Nachbarn etc. als Vertretung.

Die Ställe können Sie ruhig aus vorhandenen Materialien bauen – aber wie gesagt, dicht müssen sie sein:

  • Die ganze Hasenzucht findet bei uns im ehemaligen Schüttkasten statt, der einen Erdboden hat.

  • Ein Stall ist eine alte Futterkiste,  ca. 80 x 140 cm, die auf Beinen steht. Sie ist in zwei Teile geteilt und  obenauf hat mein Mann eine Abdeckung mit einem durchsichtigen      Kunststoffgitter gemacht.

  • Einen Stall hat er aus Holzteilen und  Paletten gemacht. Den Boden hat er mit Ziegeln ausgelegt – wegen der Fluchtgefahr durchs Erdreich.

  • Zwei weitere Ställe sind aus  Fensterteilen, die unser Nachbar herausgerissen hat. Am Boden sind alte  Waschbetonplatten und obenauf sind wieder Gitter. 

Wenn Sie einmal die Hasen gekauft haben (oder vielleicht bekommen Sie sogar welche von anderen Hasenbesitzern geschenkt?), und die Ställe gebaut sind, fallen nur mehr geringe Kosten für ein wenig zusätzliche Nahrung wie Weizen oder Hafer an. Aber auch das kann man bei Bauern oft günstig erstehen, ebenso wie einige  Bündel Stroh, die man zum Einstreuen braucht. Wir helfen uns da mit Heu, von dem wir genug haben. 

 

Vorteile:

  • Man braucht nicht alle Grünpflanzen  auf den Kompost zu werfen, sondern kann sie an die Hasen verfüttern.

  • Besonders Kinder erfreuen sich an den  Hasen.

  • Man produziert  Fleisch für den  Eigenbedarf.

 

Nachteile:

  • Die Hasen müssen täglich 1 – 2 x   gefüttert werden.

  • Wenn Sie in den Urlaub fahren wollen, muss die Versorgungsfrage geklärt sein.

  • Bevor Sie mit der Hasenzucht  beginnen, sollte geklärt sein, wer sie dann schlachtet.

 

Rezepte:

  • Gerne essen wir die Hasen in einer  Wildsoße wie die Feldhasen.

  • Einfach und schnell geht ein Gulasch,  da die Kochzeit kurz ist.

  • Die Keulen brate ich, mit Speck  mwickelt, im Rohr.

  • Aus den ausgelösten Knochen koche ich  Suppe, in die das Fleisch klein geschnitten hineinkommt. Als Einlage mache  ich gerne kleine Semmelknöderl.

  • Ein ganzer gespickter Hasenrücken  steht auf dem Speiseplan, wenn auch die Kinder zum Essen da sind.

  • Hasenschnitzel schmecken natürlich  allen Familienmitgliedern, wobei ich am liebsten die gebackene Leber habe.