Bäume und Sträucher selbst ziehen

 

Verschiedene Bäume und Sträucher aus eigenen Pflanzen zu vermehren ist ganz einfach. Bis sie groß sind, muss man allerdings etwas mehr Geduld haben, als wenn man welche im Gartencenter kauft. Dafür spart man aber eine Menge Geld – und es macht einfach Spaß. 

Wenn ich im Garten jäte, stoße ich immer wieder auf Sämlinge von Sträuchern und Bäumen. Ich überlege kurz, ob ich sie brauchen kann und wenn ja, setze sie in Töpfe. So kann es vorkommen, dass ich an einem Garten-Arbeitstag zwanzig neue Pflänzchen gewinne – entweder für mich selbst oder zum Verschenken. Über Samen oder Sämlinge kann man die folgenden Pflanzen gut vermehren:

 

Nussbäume
Dazu muss man nur eine oder mehrer Nüsse in den Boden oder in einen Topf legen und abwarten. Der Nachteil ist allerdings, dass die Bäume erst nach etwa 10 Jahren tragen und man nicht weiß, welche Qualität die Nüsse haben. Oft findet man auch kleine Bäumchen, die man nur umzusetzen braucht.
 

Haselnüsse
Oft gehen rund um die Sträucher Jungpflanzen auf, wenn man im Vorjahr nicht alle Nüsse aufgeklaubt hat. Sie sind sehr wüchsig. Bereits nach wenigen Jahren haben sie große Pflanzen, die bald anfangen, Früchte zu tragen.
 

Pfirsiche und Nektarinen
Diese kann man ebenfalls über Kerne vermehren, da sie zu den Obstsorten gehören, die nicht veredelt sind. Da die Kerne bei uns auf den Kompost kommen, finde ich jedes Jahr ein oder mehrere Bäumchen irgendwo im Garten.
 

Zwetschken
Diese brauchen auch nicht veredelt zu werden. Wenn man ein Bäumchen findet, braucht man es nur an den gewünschten Platz zu setzen.
 

Kriecherl
Gehen ebenfalls gerne von alleine auf.
        

Thujen
Vor etlichen Jahren gab es viele Häuselbauer, die sich die Thujen aus Samen selbst gezogen haben. Das ging einfach und belastete das Baubudget nicht. Unser Nachbar hatte bis vor ein paar Jahren eine sehr hohe Thujenhecke und da fielen Samen auch in unseren Garten. Und nun gehen im Rosenbeet noch immer einzelne Pflänzchen auf. Beim Jäten „ernte“ ich sie und ziehe sie als Kübelpflanzen. Eine hat mein Mann abgezweigt und daraus einen Riesenbonsai gezogen der jetzt seine Japanecke beim Pool ziert.
 

 

Liguster
Unser Nachbar hat eine Ligusterhecke und so finde ich immer wieder kleinere oder auch schon größere Ligusterpflänzchen. Einige habe ich eingesetzt. Jetzt bin ich dabei, welche als Kübelpflanzen zu ziehen, um sie dann wie Buchs zu schneiden.
 

Eberesche
Die Samen der Eberesche werden von den Vögeln im Garten verteilt und es gehen immer wieder welche auf.
Dieses prachtvolle Exemplar rechts ist aus einem Sämling entstanden.  

Hibiskus
Bei deisem Strauch können die Sämlinge zu einem Problem werden, wenn man die Samen nicht abklaubt. Und wie Sie sich denken können, habe ich dazu keine Zeit (und auch keine Lust). Mittlerweile habe ich schon zwei kürzere Hibiskushecken aus Sämlingen gezogen und unserer Tochter habe ich auch schon welche verehrt. Wenn ich keine neuen Pflanzen brauche, hacke ich die aufgehenden Pflanzen gleich im Frühjahr um, da geht es noch einfach, weil sie noch zart sind. 

Buchs
Rund um größere Buchssträucher findet mein Mann (er ist bei uns der Buchsvermehrer) kleine Pflanzen, die er in Töpfe setzt und an einen schattigen Platz stellt. Im darauf folgenden Jahr stibitze ich sie immer und rahme nach und nach Beete damit ein.

Unsere Buchsvermehrungsecke im Schattengarten:   

Mahonie
Ich liebe diese Pflanzen, da sie nicht zu hoch werden und Sonne und auch Schatten gut vertragen. Wenn ich einen Sämling finde, grabe ich ihn gleich aus. Das gelingt allerdings nicht immer, da sie sehr tiefe Wurzeln haben und gerne abreißen.
 

Berberitzen
Wenn man diese stacheligen Gesellen einmal im Garten hat, braucht man sich um den Nachwuchs keine  Sorgen machen. Da die Vögel die Beeren gerne fressen, verteilen sie die Samen, was aber nicht heißen soll, dass es eine Berberitzeninvasion gibt.
 

Holunder
Auch davon findet man leicht  Pflanzen, wenn man Ecken im Garten hat, die nicht so intensiv bearbeitet werden.
 

Auch vom Sommerflieder und vom Kirschlorbeer findet man leicht Sämlinge – wie schon gesagt, schaue ich mir beim Jäten genau an, was da so alles wächst..

Hinter unserem Haus steht eine Kornelkirsche – und gleich daneben ist eine zweite aus Samen aufgegangen, ebenso vom wilden Schneeball. 

Spirea-Sorten
Von den niedrigen Spirea-Sorten habe ich schon etliche neue Pflanzen durch Samen gewonnen, wie hier, wo sich neben der Eingangtür eine mit einem Salbei zusammen getan hat:

 

 

 

Aber mein besonderer Stolz sind meine Weigelie und Weide, die im Hühnerhof zwischen den Betonplatten des ehemaligen Misthofes von selbst aufgegangen sind:  

 

 

Bei manchen anderen Pflanzen sollte man eher nicht auf Sämlinge warten, sondern gleich zur Tat schreiten und Ausläufer abstechen:

Der Flieder bietet sich dazu an,

ebenso die Forsythie. Von dieser hat mein Mann sogar schon einige Bäumchen gemacht: 

 

Von jeder Art von Mispel kann man bereits bewurzelt Teile abstechen, egal, ob es sich um die Kriechmispel oder um höher wachsende Arten handelt. 

Die Ziermandel breitet sich gerne aus. Man kann daher Triebe dieses schönen Frühlingsblühers ausgraben und an passender Stelle neu einsetzen. 

Auch die Kerrie, der Ranunkelstrauch, breitet sich mit zunehmendem Alter gerne aus. Um ihn in Zaum zu halten, kann man beim Entfernen von Ausläufern diese gleich weiterverwenden. 

Ausläufer von der Zierquitte zu kultivieren ist nicht so einfach, da die Wurzeln stark in die Tiefe gehen.  Von etlichen Versuchen haben wir bis jetzt drei neue Pflanzen gewonnen. 

Die Himbeeren treiben munter Ausläufer, die man, falls benötigt, gut als neue Pflanzen verwenden kann.

 

Bei anderen  Pflanzen wiederum, die man aus Samen bzw. durch Ausläufer nicht so leicht vermehren kann, kann man es mit Triebstecklingen versuchen. Dazu schneidet man einen halbverholzten Trieb ab und entfernt einen Großteil der Blätter, damit die Pflanze nicht so viel Wasser verdunstet und schlapp macht. Dann stippt man die Schnittstelle in Bewurzelungspulver, so ferne man welches hat und steckt den Trieb in einen Blumentopf mit leicht feuchter Erde. Ich sammle alle Blumentöpfe, die ich mit gekauften Pflanzen bekomme und habe so immer genügend Auswahl in der richtigen Größe. Bei empfindlicheren Pflanzen kann man eine Abdeckung darüber stülpen, damit die Stecklinge nicht so viel Wasser verdunsten. Ich verwende dazu den Unterteil von zerschnittenen Kunststoffmineralwasserflaschen. 

Auf diese Art und Weise kann man Weiden aller Art vermehren. Sehr gut geht es mit den beliebten Palmkätzchen, die ja schon antreiben, wenn man sie zur Osterdekoration mit anderen Ästen in die Erde steckt. Von meiner Zwergweide habe ich schon einige Pflanzen so gewonnen – aber im Frühling, wenn die Pflanze noch nicht viele Blätter hat. 

Ribisel, rote und schwarze sowie Stachelbeeren und Zierribisel gewinnt man auf diese Art im zeitigen Frühjahr, wenn sie noch keine Blätter haben. Man kann sie einfach in den Gartenboden oder in Töpfe stecken. 

Da wir  jede Menge Buchs wollen, macht mein Mann auch Stecklinge, und zwar gleich beim Schnitt. Kleinere Triebe kann man auch einfach abreißen und einsetzen. 

 

 

Sogar Rosen kann man durch Stecklinge vermehren – Details dazu finden sie im Kapitel „Rosen“.

 

 

 

  

Von folgenden Ziersträuchern kann man ebenfalls Stecklinge schneiden: Forsythie, Ball-Hortensie (das ist die Hydrangea arborescens), Fingerstrauch, Flieder, Weigelie, Schneeballsorten, Scheinhasel, Pfeifenstrauch. In der Fachliteratur steht zwar, man müsse die Stecklinge über den Winter in die Sand stecken, aber es funktioniert auch, wenn man sie erst im Frühjahr schneidet.

Das war einmal ein kleiner Ableger:

  

Mit der Eibe haben wir es auch schon versucht, und auch da funktioniert diese Vermehrungsart. 

Wem es nicht zu viel sticht, kann so auch Berberitzen vermehren.

 

Dann gibt es noch die Möglichkeit, Absenker zu machen. Dazu biegt man einen elastischen Zweig der Pflanze zu Boden, gibt an einer Stelle Erde darüber und beschwert ihn mit einem Stein oder steckt ihn mit Draht fest. Unter der Erde bilden sich Wurzeln und man kann diese neue Staude umsetzen. 

Dazu eignet sich unter anderem Liguster, Forsythie, Efeu, Hortensien, Stachelbeeren, Ribisel, Winterjasmin, Berberitzen, Rhododendren, Hartriegel, Haselnuss, Mahonie.